Das Leben der Selbstständigen wird immer schwerer in Deutschland

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Rechte von Käufern im Internet gestärkt. Die Anbieter müssten ihre Waren zurücknehmen und das Geld erstatten, selbst wenn diese durch das Ausprobieren wertlos geworden seien, urteilten die Richter. Verhandelt wurde über den Sonderfall Wasserbett, das bereits mit dem ersten Befüllen seinen Verkaufswert verliert. Trotzdem gilt für die Richter auch in diesem Fall das Widerrufsrecht.

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Was heißt das nun auf Deutsch? Ich kann mir im Internet ein Wasserbett bestellen, dieses Wasserbett hat ja (schätzungsweise und Erfahrungsgemäß) einen Wert über 40 €. Ich kann dieses Wasserbett also mit Wasser befüllen und Probeliegen. Habe ich nun innerhalb von 4 Wochen gemerkt – och ne, so ein Wasserbett – das ist nichts für mich – dann hole ich mir einfach mein Geld zurück, denn es gibt ja dank Fernabsatzgesetz das Widerrufsrecht.Die Firma die das Wasserbett geliefert hat, darf dann auch noch den Rücktransport bezahlen – herzlichen Glückwunsch und schöne Grüße nach Karlsruhe – ist Justizia wirklich so blind?

Ja scheiss die Wand an, wo sind wir denn hier … und dann wundern wir uns tatsächlich, dass immer mehr deutsche Kleinunternehmer Pleite gehen und sich wahrscheinlich demnächst im Arbeitsamt ne Nummer ziehen dürfen? Wo soll der Spaß denn mal enden? Kaufe ich mir demnächst online alle 3 Wochen neue Reifen? Kann ich mir irgendwo online ein Auto bestellen? Das der Kunde schon immer König sein wollte / durfte habe ich ja noch respektiert, aber das der Kunde nun Dikator im eigenen Laden wird – ja damit hab ich nicht gerechnet, aber damit habe ich wohl geirrt.

15 Kommentare zu „Das Leben der Selbstständigen wird immer schwerer in Deutschland“

  1. Kalliey® sagt:

    Alter Freund. Die deutsche Justiz versagt wirklich wo sie nur kann, unglaublich.

  2. Addliss sagt:

    Lieber Jens, was du hier berücksichtigen musst, ist, dass der Kunde keine Möglichkeit hat, das Produkt im Voraus zu testen. Er kauft also „die Katze im Sack“. Wäre es gegenüber dem Kunden gerecht, wenn er auf den Kosten und dem für ihn unnützen Produkt sitzen bleibt?

    Man kann argumentieren, er hätte sich ja vorher informieren können. Aber was wäre das für eine Praxis, wenn jeder Kunde zuerst ins Bettenhaus geht, dort testet und dann online bestellt. Dann wäre das Bettenhaus die ausgelagerte, kostenlose Testliege-Filiale der Online-Händler. Wäre das gerecht gegenüber den Bettenhäusern?

    Wichtig ist: Politik sowie Recht sind immer ein Abwägen zwischen Interessen verschiedener Gruppen. Und hier scheint mir das durchaus eine sinnvolle Lösung zu sein, denn einige Dinge eignen sich einfach nicht für den Online-Versand. Dinge, die anprobiert werden wollen oder durch das erstmalige Gebrauchen wertlos geworden sind, sind für den Online-Handel vielleicht einfach nicht passend.

  3. Jens sagt:

    @Addliss : Mmmh, das wäre doch dann Wettbewerbsverzerrung, oder nicht? Ich kann ja nicht die Gesetze so „machen“, dass sich einige Produkte nicht mehr für den Online-Markt eignen… aber ich gebe dir natürlich Recht und ich selber handhabe das auch so: Sachen die ich ausprobieren möchte kaufe ich im Fachhandel, andere Sachen gerne online. Aber es gibt auch Menschen die nutzen dieses Gesetzt schamlos aus, bestellen 20 Hosen um 1 davon zu behalten… weißt du wieviel Warenwert da immer unterwegs ist? Geschweigedenn von den Kosten die Onlinehändler zusätzlich haben und und und … ein langes und komplexes Thema, ich wollte mir damit nur mal kurz „Luft verschaffen!“

  4. Lutz Balschuweit sagt:

    Vermittler von Versicherungen haften schon immer Jahre für ihre Provisionen.

    Bedeutet: Hat sich Kunde X nach 1,5 Jahren einfach mal so überlegt seine Lebensversicherung nicht mehr zu wollen, dann darf er die einfach so kündigen. Der Unternehmer (Vermittler) zahlt zurück.

    Einen Wermutstropfen hat das aber auch für den Kunden. Er verliert auch bei dem Spiel und ich denke so eine Lösung wäre bei dem Urteil ebenfalls besser – oder?

  5. Addliss sagt:

    Ich finde „Luft verschaffen“ völlig ok. 🙂

    Mein Kommentar zielte jedoch nicht darauf ab, dass man die Gesetze so schafft, dass einige Produkte sich nicht mehr für den Online-Handel eignen. Sondern vielmehr ist es so, dass das Gesetz einem bestimmten Grundsatz folgt: nämlich, dass man Waren vorher in Augenschein nehmen kann, bevor der Vertrag rechtsgültig ist. Sonst würde man den Kunden dazu zwingen, ungesehene Dinge zu kaufen.
    Also bleibt man bei dem Grundsatz und „benachteiligt“ in diesem Fall die Online-Händler. Dass das Kunden schamlos ausnutzen, ist natürlich ein Missstand, der jedoch daran liegt, dass die Online-Händler die Waren so anbieten. Hosen z.B. denke ich, kann man nicht sinnvollerweise online anbieten, zumindest nicht ohne damit zu rechnen, dass viel zurückkommt.

  6. Crazy Girl sagt:

    Mich würde mal interessieren wie das im Falle des Brautkleides und des Hochzeitsanzuges aussieht. Per Internet bestellen und nach dem Tag der Tage getragen zurückgeben „sorry, das wars dann doch nicht“ *lacht* Da werden sicherlich die Richter auf Seiten der armen Brautleute stehen, die mit diesem grausamen Gewand den Tag ihres Lebens verbringen mussten 😉

  7. Jens sagt:

    Ach, das ist doch alltägliche Praxis … da kaufen „Kunden“ hochwertige Kleidung, ziehen die 1-2 mal an und geben diese dann zurück … das ist nichts ungewöhnliches , warum nicht auch Brautkleider (wobei man die ja eher selten im Internet bestellt, oder?)

  8. Crazy Girl sagt:

    Nun ja, ich hätte mein Brautkleid nicht über das Netz bestellt 😉
    Wie auch immer, bei dem ganzen Verbraucherschutz stehen oft die Händler als Gelackmeierte da. Und es gibt nicht wenige besonders schlaue Verbraucher, die aus Spaß an der Freude diese Vorteile für sich nutzen und damit „spielen“ wo es nur geht.

    Dass auf diese Weise immer mehr kleinere Unternehmen in den Ruin getrieben werden, das stört heute niemanden. Hauptsache der Verbraucher wird gesetzlich das das „dümmste Wesen auf Gottes Erdboden, das sich alles erlauben und 100x überlegen darf“ geschützt was das Zeug hält. So wird aus einem Polypol ganz schnell ein staatlich getriebenes Oligopol und wen interessieren die ganzen Existenzen dahinter? Keinen, sie tauchen auch in den wenigsten Statistiken auf, zumindest nicht in der so wichtigen Arbeitslosenstatistik 😉

    Eines habe ich in meinen vielen Jahren der Selbständigkeit gelernt: Die Selbständigen sind die Kühe, die am besten und einfachsten gemolken werden können, auf deren Rücken viel ausgetragen wird, um die sich niemand schert usw. Und wenn mal wieder was Neues ausgeheckt wird, mit dem so richtig Glanz in die Bude gebracht wird, dann kostet das mit Sicherheit wieder ein paar selbständige Existenzen. Aber wen kratzt das schon? Als einzelne sind sie sowieso die machtlosesten und damit uninteressantesten Wesen überhaupt.

  9. Jens sagt:

    Man kann schon fast das Gefühl bekommen, die Käufer werden vor ihrer eigenen Dummheit um jeden Preis vom Staat geschützt 😉

  10. Lutz Balschuweit sagt:

    @Jens
    Die Käufer sind nicht dumm – sie sind clever und haben sich über viele Jahre eine mächtige Lobby aufgebaut und die hat sich das Mäntelchen „Verbraucherschutz“ übergestreift.

    Alles was dem Käufer nicht in den Kram passt, wird als Betrug durch die Medien gejagt und der „Verbraucherschutz“ tut noch seinen Senf dazu.

    Mit Geschäft hat das nichts mehr zu tun. Das ist Abzocke der Käufer und pures Ausnutzen der Verkäufer.

    Ist in allen Branchen gleich.

    Also mitnehmen was geht und den lieben Gott `nen guten Mann sein lassen – So 😉

  11. Spacefalcon sagt:

    Sorry, aber ich habe es nicht nur so gelernt sondern auch immer so praktiziert:

    Der Kunde ist König, mitunter nervig, aber der König.

    Allerdings, das räume ich ein, ist die deutsche Justiz nicht an die modernen Kaufmöglichkeiten (INet) ausgelegt, das kann man aber nur den deutschen sogenannten Politikern anlasten, die, wie eigentlich auch immer, schlafen und der Realität um Jahre hinterher laufen.

  12. Jens sagt:

    Klar ist der Kunde König – und so wird er auch von mir behandelt. Ich persönlich habe auch kein Problem mit Rücksendungen, denn meine Ware kann man danach noch weiterverkaufen. Aber möchtest du ein Wasserbett welches schon mal „benutzt“ war zum Neupreis kaufen? Ich nicht, genausowenig wie Matrazen oder ähnliche Dinge.

  13. Crazy Girl sagt:

    Jens, ich sehe das mit der Dummheit genauso. Im Verbraucherschutz werden die Käufer als deart dumme Wesen, komplett ohne jegliches Hirn, dafür aber mit einem heftigst zuckenden Klickfinger ausgestattet, degradiert. Und das natürlich zum Vorteil eines jeden Käufers und zum Nachteil aller Verkäufer.
    Und auch Lutz hat sicher teilweise Recht, denn nicht alle Käufer sind derart dumm und nutzen diese Vorteile dann bis zum äußersten aus.

    Stell Dir mal vor Du verkaufst Schokoriegel und die kommen „angefressen“ wieder zurück. Schließlich musste der Verbraucher ja den Geschmack prüfen. Den Gerichtsprozess würde ich nicht führen wollen, obwohl ja auch im Supermarkt nix „angefressen“ und wieder zurück ins Regel gelegt werden darf. Aber der Laden vor Ort und die Internet Shops werden ja meist unterschiedlich bewertet 🙁

  14. Jens sagt:

    Ja, da existiert einfach keine Gleichstellung … ich kann verstehen das der Kunde u.U. sich das Produkt vorher anschauen „muss“, sollte der Artikel allerdings genau beschrieben sein und der Artikel der Beschreibung entsprechen sollten dem Verkäufer keine Kosten auferlegt werden, denn der kann ja nichts dafür, dass der Kunde sich den Artikel „nur mal so“ anschauen wollte wie bei einem Stadtbummel…

  15. Wilfried Gierden sagt:

    Ich denke der Autor des Beitrages wollte auf die Probleme des Online-Handels in Verbindung mit „Bestellern“, die das Widerrufsrecht schamlos ausnutzen hinweisen und einen entsprechenden Denkanstoß geben.

    Klar müssen immer beide Seiten, in diesem Fall Händler und Käufer, betrachtet werden nur ist meiner Meinung nach die Grenze teilweise weit zu ungunsten der Onlinehändler überschritten.

    Schaue ich mir die Möglichkeit des „Testens“ an, dann hat der Onlinehändeler Hin- und Rücksendekosten zu tragen. D. h. also dem Kunden entstehen keine Kosten für die Überprüfung der Ware. Nun, besuche ich ein Ladenlokal, dann entstehen für den Käufer Kosten, er muss nun ja in irgendeiner Form zu dem Geschäft gelangt sein. Diese Kosten muss der stationäre Händler aber nun auch seinen Kunden nicht erstatten, wenn dieser sich für einen „Nicht-Kauf“ entscheidet. Genau dort besteht meiner Meinung nach eine Benachteiligung des Onlinehandels.

    Das nächste Ungleichgewicht ist im Testen zu sehen. Bleiben wir beim Beispiel Wasserbett. Zwar kann der stationäre Kunde ggf. das Wasserbett im Möbelhaus testen, indem er sich kurz auf dieses legt und sich dann dafür oder dagegen entscheidet. Nach Bestellung und Lieferung ins traute Heim steht es aufgebaut im Schlafzimmer. Nun stellt der Kunde nach zwei Wochen fest: „Hmm, irgendwie gefällt mir das Bett nun doch nicht“ – Unabhängig davon ob es aus tatsächlichen oder Gründen des Missbrauchs geschieht bzw. geschehen wird, in den meisten Fällen wird aus rechtlicher Sicht keine Rückgabe ohne Kosten für den Kunden möglich sein. Da stellt sich die Frage, warum aber muss ein Online-Händler die Kosten übernehmen.

    Derartige Entscheidung führen meiner Meinung nach dazu, dass bedingt durch eine Mischkalkulation der Onlinehändler, die Preise steigen werden. In Online-Branchen mit gegebenen Preisen, also hoher Preiselastitzität, führt zu Sparmaßnahmen in andern Unternehmensbereichen. Meist sind als ersten davon Arbeitsplätze betroffen, die entweder gestrichen werden oder unter schlechten Arbeitsbediungungen und Dumpinglöhnen weiter geführt werden.