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NW-News – So funktioniert Qualitätsjournalismus – NICHT!

Montag, 10. Januar 2011

Das ewig alte Streitthema – Blogger vs. Presse, David vs. Goliath – heute gespürt am eigenen Leib. Man könnte denken, ich wäre traurig, verbittert aber eigentlich bin ich nur enttäuscht, nein ich bin sogar maßlos enttäuscht.

Das Szenario:

Ich verbringe die gesamte Woche in Bielefeld, einfach mal was anderes sehen, abspannen, entspannen. Gestern Nachmittag ging ich mit einem Freund und den Hunden spazieren, nach einer ausgiebigen Runde durch den Wald kamen wir in Bielefeld Sennestadt, an der Paderbornerstr. / der B68 an einem Parkplatz vorbei auf denen Leihwagen von der Autovermietung SIXT stehen.

Dort ist auch eine Fussgängerampel an der wird warten mussten – also ließ ich den Blick schweifen und sah einen „extrem tiefen“ BMW 520d und der Grund dafür lag förmlich auf der Hand – besser gesagt, lag der BMW 520d Touring auf dem Boden:

Was tun? Das SIXT Büro ist am Wochenende nicht besetzt, da man ja weiß, dass die Polizei immer auf die Mithilfe vom Bürger setzt, rief mein Freund also bei der Polizei in Bielefeld an und gab das amtl. Kennzeichen durch mit der Frage, ob der Diebstahl schon gemeldet sei, diese Frage wurde am Telefon verneint. Danach rief er noch bei SIXT an und auch dort wusste keiner etwas von dem Schaden, man bedankte sich für den Hinweis.

Ich habe in der Zeit Fotos gemacht, diese Bilder wollte ich der Presse zur Verfügung stellen, denn ich finde es ein Unding, dass man heutzutage scheinbar schon unbemerkt an einer Ampelkreuzung ein Fahrzeug aufbocken kann um das Fahrzeug von den Reifen & Felgen zu erleichtern. Der Wagen wurde auf Holzböcke aufgebockt, die scheinbar inzwischen nachgegeben hatten, denn das Fahrzeug lag mit dem Schweller und dem Kotflügel, der Achse, der Bremsscheiben und der kompletten Front auf dem Boden:

Ich wurde gestern dann noch 2 mal von der NW-News angerufen, man wollte noch ein paar Sachen wissen für den „Beitrag den die Kollegen“ schreiben man fragte auch ob man meinen Namen nennen dürfte, da man ja mein Bild verwenden würde „müssten sie dieses ja sowieso“. Ich hatte da nichts gegen, schließlich habe ich ja nur meine „Pflicht und Schuldigkeit“ getan und wollte eigentlich, dass die Öffentlichkeit über die Gefahren gewarnt wird, denn oft sind Winterräder nicht durch Felgenschlösser gesichert und Winterreifen sind ja bekanntlich in diesem Winter wieder besonders knapp und die Preise förmlich explodiert.

Nunja, der Redakteur der NW-News hat „ganze Arbeit“ geleistet und lässt nicht nur mich im „blöden Licht“ da stehen:

Der Titel der Überschrift liest sich wie folgt:

Passant meldet alten Diebstahl – Auto steht seit einer Woche ohne Räder auf dem Hof

Da habe ich doch erstmal geschluckt, denn wieso wusste davon weder die Polizeidienststelle noch SIXT etwas von? Und wenn die Sache wirklich so alt ist, warum druckt es dann die Zeitung überhaupt? Nach der üblichen Einleitung und der Schilderung was ich gesehen habe kam es dann zu nachfolgender Aussage:

Auf Anfrage bei der Hauptpolizeiwache Süd wird klar: Das Auto steht schon länger ohne Räder auf dem Hof. Laut Polizei seien die Winterräder des Wagen schon zwischen Weihnachten und Neujahr geklaut worden. Die Autovermietung aber habe wohl Schwierigkeiten, an Ersatz-Winterräder zu kommen, so dass das Auto immer noch beschädigt sei.

Gut, nun müsste ich da den schwarzen Peter eigentlich der Polizei in Bielefeld zuschieben, denn die hatten meinem Freund ja nach der Übermittlung des amtl. Kennzeichen gesagt, dass es keine Diebstahlsmeldung geben würde, bzw. der Schaden noch nicht gemeldet sei.

Der Redakteur zitierte mich übrigens wie folgt:

Als Jens Stratmann gestern Mittag mit seinen Hunden am Gelände der Autovermietung Sixt an der Paderborner Straße vorüber geht, traut er seinen Augen nicht: „Da haben offenbar Diebe die Räder von einem BMW mitgehen lassen und ihn so dilettantisch aufgebockt, dass die Stützen unter dem Gewicht zusammengebrochen sind.“ Dadurch sei der Schaden sicherlich noch viel höher, weil unter anderem auch die Achsen in Mitleidenschaft gezogen sein könnten, vermutet Stratmann.

Stimmt, ich hatte den Dieben wirklich dilettantismus vorgeworfen, aber nachfolgender Satz ließ mich doch etwas schmunzeln:

Den Schaden schätzt die Polizei auf rund 1.000 Euro.

Jetzt mal unter uns, zeigt mir einen Händler, der mir für einen neuen BMW einen Kotflügel sowie Seitenschweller besorgt, lackiert und montiert, dann mir noch 4 Winterreifen auf den Wagen steckt und dann mir dann nur „rund“ 1000 € berechnet, selbstverständlich inklusive sämtlicher noch anfallenden Arbeiten – die Schätzung der Polizei wird sich sicherlich auf den reinen Diebstahlwert bezogen haben und nicht die entgültigen Kosten für die Instandsetzung des Fahrzeuges, da müssen die Schreibtischtäter der schreibenden Zunft wohl noch mal etwas über den Tellerrand hinausschauen.

Mich hat übrigens am meisten die Überschrift gestört, die ist doch arg negativ belastet, man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass man der Zeitung / und der Polizei  „Arbeit“ gemacht hätte – anders rum stelle ich mir die Frage, warum druckt die Zeitung so eine „alte Sache“ – brauchten die da noch einen Lückenfüller?

Nach Rücksprache mit dem Pressesprecher der Polizei konnte dieser mir allerdings versichern, dass die Polizei auch weiterhin auf die Mithilfe der Bürger angewiesen ist und das viele Straftaten nur durch solche Meldungen von Passanten, Zeugen, aufmerksamen Bürger aufgeklärt werden können, also wenn ihr demnächst so etwas hier seht, scheut euch nicht und klingelt einfach mal bei der zuständigen Polizeidienststelle an:

Der Pressesprecher von SIXT konnte übrigens lt. dem Zeitungsbericht keine Aussage machen, würde der Sache aber nach gehen – woher hatte der Redakteur denn denn die Information, dass die Winterreifen nicht lieferbar sind und der Wagen deswegen noch beschädigt auf dem Platz steht? Warum wurde im Text mein Name zwar 2 mal genannt, aber auf den Vermerk, dass das Foto ebenfalls von mir stammt wurde verzichtet?

Hätte ich gewusst, dass hier ein Beitrag auf Bild-Zeitungsniveau geschrieben wird, in dem 2 mal mein Name erwähnt wird, hätte ich meine Zusage zur Verwendung von meinem Bildmaterial (gegen die übliche Kostennote) und der Namensnennung bestimmt nicht gegeben.

[Ich habe hier aus einem Zeitungsbericht der Zeitung „Neue Westfälische zitiert. Ausgabe vom Januar 2011 – Bielefelder Tageblatt – Lokales]