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…und jetzt lästert die Web 2.0 Welt wieder über die Großstadtjournalisten! Skandal: Steffen Seibert twittert @RegSprecher

Mittwoch, 30. März 2011

Dabei muss man sich doch auch mal in deren Lage versetzen, viele von den Kollegen der schreibenden Zunft in Berlin sind schon kurz vor der Rente, wenn nicht sogar schon eigentlich mitten drin – wollen aber den Stift noch nicht fallen lassen. Viele haben den Mauerbau erlebt, einige goldenen Westen, die anderen hockten halt im Osten. Alle haben den Mauerfall erlebt und von da an lief es für Berlin ja sehr gut, Berlin wurde wieder Hauptstadt und die Journalisten konnten sich die Finger wund schreiben.

Irgendwann wurde dann eine Frau Bundeskanzlerin, sowas hätte es ja damals nicht gegeben, aber nun gut, auch mit der Reform kamen die Journalisten scheinbar klar und über den schwulen Aussenminister und den Bürgermeister verlieren die Journalisten in der Regel auch nur warme Worte.

Die Welt war in Berlin also in Ordnung, zumindestens fast, denn ein aufstrebender junger Regierungssprecher – ja der macht nun alles kaputt – denn mit diesem Tweet hier bei Twitter löste er aber was aus… der schlimme Finger. Steffen Seibert hat diese wahnsinnig wichtige Information tatsächlich auf Twitter veröffentlicht, bevor die anderen Kollegen vom Bundespresseamt die örtlichen Kollegen der schreibenden Zunft per Fax, per e-Mail, per Rauchzeichen, per Klopfzeichen oder per stille Post über den Besuch von Tante Merkel bei Onkel Obama informiert hatten.

Das geht doch nicht, wie kann der Steffen Seibert sowas nur tun? Jetzt kommen ja die ganzen Online Journalisten und verbloggen das ganze schon, das heißt – was morgen in der Zeitung steht ist Geschwätz von gestern was keiner mehr lesen will – also musste sich Dr. Steegmans vor die Kamera setzen und dem Kreuzverhör der versammelten Journalisten bestehen, welches er meiner Meinung nach mit Bravur bestanden hat:

Wer sich also mal 20 Minuten langweilen möchte, darf es sich gerne anschauen, ich kann es aber auch kurz wiedergeben. Die anwesenden Journalisten beschweren sich darüber, dass Steffen Seibert über seinen Twitter Account diese Info rausgegeben hat bevor diese informiert worden sind, desweiteren wird erklärt, dass Twitter nicht „sicher“ sei und die Frage erörtert, ob demnächst Tweets vom Regierungssprecher als Quelle genutzt werden oder nicht. Scheinbar waren die Schreibtischtäter davon entsetzt, dass nun von der Bundesregierung Bürgernähe gezeigt wird und noch entsetzter war man über die Tatsache, dass man als Journalist sich neben dem Fax-Gerät und dem e-Mail Schreibgerät nun auch noch ein Twitter-Nutzungsapparat auf dem sowieso schon zu kleinem Schreibtisch stellen soll um umfassend informiert zu werden. Dr. Steegmans ist der stellvertretene Regierungssprecher, Steffen Seibert hatte bestimmt keine Zeit, er war ja mit twittern beschäftigt ;).

Armes Deutschland: In Libyen ist Krieg, in Japan strahlt es ununterbrochen aus dem Atomkraftwerk, in Deutschland weiß man nicht was man tanken darf und ich weiß nun gar nicht wem ich danken soll, denn über das Video haben nun schon so viele gebloggt, getwittert, dass ich nun einfach mal (via Facebook) schreibe – und danke an die Kollegen im Großstadtdschungel, die mir zumindestens mit der Pressekonferenz gezeigt haben, dass wir in Deutschland scheinbar wirklich keine wichtigen Probleme haben wenn diese sich – mit Verlaub – über so einen Scheiss aufregen. Ich persönlich finde es gut, dass sich die Regierung „volksnah“ zeigt und die Informationen ungefiltert an die Leute weitergibt, die es interessiert und scheinbar tun das (Stand heute) über 16.000 Leute die dem Twitter Account von Steffen Seibert folgen, damit hat Steffen Seibert als Regierung Sprecher bei Twitter schon eine gewissen Reichweite in Deutschland und darf sich und seinem Team auf die Schulter klopfen, wenn es die Stifthalter im Anzug schon nicht tun.